Das Buch der verlorenen Seelen

Vater, machst du dir nie Gedanken über das Vergangene? 

Ich meine das, wovon die Bücher erzählen.“ 
„Von welchen Büchern sprichst du, mein Sohn?“ 
„Von den Büchern der Erinnerung. 
Von den Büchern der verlorenen Seelen...“ 
„Du sprichst in Rätseln, mein Kind. Was willst du mir sagen?“ 
„Ich spreche von den Lebewesen die ihren Planeten und auch das ganze Universum zerstört haben, Vater!“ 
„Du glaubst doch nicht etwa daran?! 

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Es hat vor uns keine Lebewesen gegeben, und wenn, dann im selben Universum. Glaub nicht alles was geschrieben steht, und leg dich nun zur Ruhe.“ 
Mit traurigen Augen wendet sich der Junge von seinem Vater ab, 
und bettet sich in ein gut duftendes Rosenbett.

 Dieser Junge Spürt keine schmerzenden Stacheln. 
Denn es sind keine Vorhanden.

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Doch die Bücher, von dem die Geschichte erzählt, 
gehen den Jungen nicht mehr aus dem Kopf. 
Ein Stern fällt vom Himmel, 
und er versucht alles um ihn zu retten. 
Doch der Vater hält ihn zurück.  


„Ach, du dummer Junge. 
Wieso machst du dir Gedanken über Sterne? 
Lass sie doch vom Himmel fallen. 
Es gibt doch so viele von ihnen.“ 


„Ja Vater, aber was machen wir, 
wenn sie plötzlich alle weg sind? 
Dann haben wir nichts mehr, 
das wir bewundern können. 
Dann haben wir niemanden mehr 
der uns auch in der Nacht einen Segen schenkt. 
Dann sind wir gleich wie die verlorenen Seelen.“ 

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„Mach dir darum keine Sorgen. 
Es wird immer Sterne geben. 
Du wirst sie nach jedem Sonnenuntergang beobachten können, 
so lange du willst, wenn es dich glücklich macht. 
Aber sprich bloß nie wieder über irgendwelche verlorenen Seelen. 
Wie oft soll ich es dir noch sagen! 
Glaub nicht alles was geschrieben steht. 
Oder besser gesagt: 
Glaub nicht alles, was dir dein Großvater erzählt. 
Er ist alt. 
Schon 62, und weiß doch selbst nicht mehr wovon er spricht. 
Werd du bloß nicht auch so ein Dummkopf wie er! 
Wahrscheinlich gibt es diese Bücher von denen er spricht überhaupt nicht!“ 
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„Aber Großvater ist kein Dummkopf. 
Er ist der Beste. 
Und er erzählt die besten Geschichten.“ 
„Schlaf jetzt!“ 

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Als der Junge am nächsten Morgen von den Sonnenstrahlen geweckt wird, 
sitzt sein Großvater neben ihm. 

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„Großvater! Guten Morgen! 
Erzählst du mir noch einmal die Geschichte 
über die Bücher der Erinnerung, 
über die verlorenen Seelen?“, fragt er aufgeregt. 

Mit einem schmunzeln 
gibt ihm der „alte Mann“ einen Kuss auf die Stirn 
und wünscht ihm einen guten Morgen. 
Doch es dauert nicht lange, 
und das nette Lächeln ist verschwunden. 
„Schon wieder? 
Du hast sie doch schon so oft gehört. 
Und sie ist doch wirklich nicht schön...“ 
„Nein, Großvater schön ist sie nicht. 
Aber ich mag es, wie du erzählst. 
Bitte. 

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Dann erzähl sie wenigstens mit kurzen Sätzen. 
So wie du es früher schon einmal gemacht hast.“, 
antwortet der Junge. 
Der Großvater beginnt zu erzählen: 
„ Vor nicht allzu langer Zeit, 
in einem anderen Universum, mit anderen Lebewesen - 
so steht es in den Büchern der Erinnerung geschrieben, 
geschahen schreckliche Taten. 
Diese Lebewesen – die Verlorenen Seelen – 
lebten auf einem Planeten den sie Erde nannten. 
Sie versuchten sich immer weiterzuentwickeln, 
und das schafften sie auch. 
Sie erfanden Sachen die für sie gut waren. 
Doch im Grunde waren sie schlecht. 
Auch für diese Lebewesen selbst. 
Um diesen Planeten war eine graue Wolke. 
Von Rauch, Schmutz und Gift gebildet. 
Doch davon wollten sie nichts wissen. 
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Sie erfanden Maschinen mit denen sie ihre Artgenossen erschlugen, 
sie erfanden Maschinen mit denen sie die Natur zerstörten. 
Es dauerte nicht lange, 
dann gab es nur noch sehr wenig Menschen 
– so hießen die Lebewesen, der Geschichte – 
und es waren auch kaum noch Wälder übrig. 
Doch auch das hielt die Menschen nicht davon ab, 
immer weiter Kriege zu führen. Sie machten weiter. 
Bis der letzte Fluss ausgetrocknet war, 
bis sich der letzte Baum in die ewige Ruhe legte. 
Bis die Sonne plötzlich nicht mehr schien. 
Sie hatten sich alle selbst getötet. 
Sie waren alle freiwillig in die Arme des Todes gelaufen.“ 
Der alte Mann hört auf zu erzählen. 
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Mit Tränen in den Augen fragt ihn der Junge: 
„Aber es hat doch sicher jemanden gegeben, 
der nicht freiwillig in die Arme des Todes gerannt ist, oder?“ 
„Weißt du, 
in dieser Zeit rannte jeder einzelne Mensch 
auf seine eigene Art in die Arme des Todes.“ 
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„Aber warum hat es dann solche Lebewesen gegeben?“, 
fragt ihn sein so heiß Geliebter Enkelsohn. 
„Das weiß keiner. 
Auch wir wissen nicht, wozu wir leben. 
Aber wir tun es.“, antwortet der Großvater, 
gibt den Jungen noch einen Kuss 
auf seine Tränenüberfüllten Wangen, 
und geht in Richtung Fluss. 

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Viele Tage verlaufen wie immer. 
Der Junge isst mit der Familie und spielt mit seinen Freunden. 
Nächte kommen und gehen. 
Seine Tränen aber bleiben. 
Als wäre es der Sinn seines Lebens immerzu traurig zu sein. 

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Weitere Sterne fallen vom Himmel,
und nur wenige kann er auffangen. 

„Ich glaube das mit den Sternen ist so, 
wie mit den Tieren früher, 
von denen mir mein Großvater erzählt hat. 
Auch sie hatte man sterben lassen. 
Mit voller Absicht. 
Auch sie hat man fallen lassen. 
Und nur wenige wurden aufgefangen.“ 

Mit diesen Gedanken schläft der Junge Mann ein. 
Und wie in jeder Nacht, 
fallen auch in dieser viele Tränen. 

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Der Junge atmet frische Luft, 
doch atmet er schwer. 

Der Junge ist im Grunde glücklich, 
doch weint er sehr. 

Der Junge ist im Grunde traurig, 
doch weint er in der Gegenwart anderer nicht mehr. 
Der Junge erkennt die Wahrheit, 
doch will sie niemand hören. 

Der Junge sagt: 
„Die Erfindung des Menschen war der Anfang vom Ende, 
und wir sind nicht anders.“ 

Der Junge sagt: 
„Darauf kann ich schwören.“ 

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Noch bevor der Junge sich zur Ewigen Ruhe legt, 
und den Tod vor Verzweiflung, 
Wut und Trauer freiwillig in die Arme springt, 
legt ihm sein Großvater mit den Worten: 
„Die Erfindung des Menschen war der Anfang vom Ende, 
und wir sind nicht anders“ Die Bücher in die Arme. 

Es sind die Bücher der Erinnerung. 
Es sind die Bücher der verlorenen Seelen. 

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